Historie der Zucht im 20. Jahrhundert

 

Ursprung
Die Bordeauxdogge stammt aus Frankreich und zählt, aufgrund ihrer Abstammung von den Alanerhunden, zu den ältesten Hunden des Landes. Ihren Namen erhielt Sie 1863 anläßlich der 1. französischen Hundeausstellung im Pariser Jardin d’Acclimatation. Das Erscheinungsbild der Hunde war damals noch regional unterschiedlich, da es keinen festgelegten Standard gab. Ein erster Ansatz wurde 1896 von Pierre Megnin veröffentlicht. Im Jahre 1910 erschien die „Étude Critique sur le Dogue de Bordeaux“ von Prof. J. Kunstler, die mit zahlreichen Abbildungen und Beschreibungen die Bordeauxdogge darstellt. Er beschreibt die Rasse,wie sie noch heute vorhanden ist. Hier wird deutlich, daß die Bordeauxdogge keinem „Modebewußtsein“ unterliegt und ihr ursprüngliches Erscheinungsbild bis heute bewahrt hat.

Rassebeschreibung
Die Bordeauxdogge ist ein muskulöser Hund mit einem harmonischen Gesamtbild. Sie ist „tiefgestellt“, d.h. der Abstand Brustbein-Boden ist geringer als die Brusttiefe. Mit einer Widerristhöhe von 60 bis 68 cm (Rüde) bzw. 58 bis 66 cm (Hündin) gehört sie zu den größeren Hunden. Ihr Brustumfang sollte 25-30 cm mehr als die Widerristhöhe betragen. Das Gewicht beginnt beim Rüden mit 50 kg bzw. 45 kg bei Hündinnen. Der Kopf der Bordeauxdogge ist mächtig, breit und von vorn gesehen trapezförmig. Er ist durch symmetrische Falten geprägt, die beweglich sind – je nach Aufmerksamkeit des Hundes. Der Schädelumfang des Rüden entspricht in etwa der Widerristhöhe. Von oben betrachtet ist der breite und kräftige Fang quadratisch. Sein Umfang beträgt ungefähr 2/3 des Kopfumfangs. Eine Besonderheit bildet das Gebiß. Die Bordeauxdogge ist ein Vorbeißer, d.h. die unteren Schneidezähne stehen klar vor den oberen Die Ohren sind relativ klein und etwas dunkler alls das übrige Fell, welches einfarbig in allen Abstufungen von mahagoni- bis isabellfarben ist. Weißzeichnungen an der Brust und an den Pfoten werden toleriert. Die Maskenfarbe ist schwarz, braun und ohne Maske. Ihre dunkelbraunen Augen sind oval und weit auseinanderstehend. Vom Kehlbereich zur Brust verläuft eine ausgeprägte Wamme. Die Gliedmaßen haben einen kräftigen Knochenbau und sind sehr muskulös. Die Hinterhand vermittelt in der geschmeidigen, schubvollen Bewegung einen kraftvollen Eindruck, obwohl sie etwas schwächer entwickelt ist.Die in Ruhestellung tief getragene Rute (wurde nicht kupiert) und reicht bis zum Sprunggelenk. Ihr Ansatz ist sehr dick.

Charakter
Die Bordeauxdogge ist ein verhältnismäßig ruhiger und ausgeglichener Gefährte mit einer sehr hohen Reizschwelle. Sie ist freundlich gegenüber Mensch und Tier und ist bereit „ihre Familie“ im Ernstfall zu beschützen. Allerdings ist die kraftvolle Erscheinung der Bordeauxdogge schon Abschreckung genug. Die Bordeauxdogge braucht den engen Kontakt zu ihrer Familie, sie ist absolut kein Zwingerhund (!). Sie ist ein etwas dickköpfiger Hund, der mit einfühlsamer aber konsequenter Erziehung die Prüfung zum verkehrssicheren Begleithund ablegen kann (empfehlenswert). Sie ist aber kein „Gebrauchshund“, mit dem man eine Schutzhundprüfung ablegen sollte. Die Bordeauxdogge ist ein relativ bewegungsamer Hund, der sich für extreme Sportler nicht empfiehlt. Mit etwas Übung nimmt sie aber begeistert an längeren Spaziergängen und kurzen Radfahrten teil. Hier sollte man aber erst im entsprechenden Alter beginnen, da die Bordeauxdogge zu den „Spätentwicklern“ zählt. Leider ist sie noch etwas HD-anfällig. Zur Vermeidung von Magendrehung sollte ihr Futter auf mehrere Rationen verteilt werden, auch benötigt sie danach Ruhe. Bei der Narkose der Bordeauxdogge ist eine geringe Dosierung wichtig. Ihre Lebenserwartung liegt bei ca. 8 Jahren.


Die Bordeauxdogge in Deutschland

Am 20.07.1908 wurde der 1. Deutsche Bordeauxdoggen Club durch Karl Scheirmann
und Wilhelm Thomas (von der Löwenburg) gegründet. Der Club wurde allerdingt
nicht in das Deutsche Kartell für Hundewesen aufgenommen, da deren Regularien 200 Eintragungen in das jährliche Zuchtbuch forderten – dies wäre bis heute eine unüberwindbare Hürde. Somit fehlte der Rasse, bis auf einige wenige Eintragungen im Deutschen Hundestammbuch des Gegenverbandes, jeglicher Zuchtnachweis.Auf der 1. Spezialausstellung der Bordeauxdogge am 07.06.1914 in Cöln waren 12 Bordeauxdoggen anwesend, die von Diefenbach gerichtet wurden:

Offene Klasse, 5 Rüden:
I. Preis – Rotmaske Cäsar von der Löwenburg (W. Thomas, Honnef), da er zu spät zur Ausstellung erschien erhielt Feudor von Savoyen die Qualifikation zum 1. Preis, 2. Preis – Vidocq II. 3. Preis – Wotan von der Löwenburg. Die beste Hündin Flora von Savoyen war leider noch jung und unfertig.

Zum Vergleich: Auf der Ausstellung in Bordeaux – im Mutterland der Rasse am 12.-15. Juni 1914 waren 2 Bordeauxdoggen anwesend:

Luron d’Aquitaine (à M. Amédée) und Leda d’Aquitaine (à Cap. Dorat), die beide dem Typ wohl nicht entsprachen, vom Richter F.A. Godchaux jedoch beide den ersten Preis erhielten.
Zu dieser Zeit wurde die Bordeauxdogge in verschiedene Klassen eingeteilt: Leicht- und Schwergewicht, die von Paris und Bordaux, Rot- und Schwarzmasken wurden nicht getrennt.Der durch Importe sorgfältig geplante Zuchtaufbau der Bordeauxdogge in Deutschland wurde durch den 1. Weltkrieg im Ansatz zunichte gemacht. Das war der erste Krieg, der die Entwicklung der Bordeauxdogge in Deutschland stoppte (vgl. Hundesport und Jagd, Heft 32 – 29. Jahrgang). Am 20.04.1917, mit der Geburt der Schwarzmaskenhündin BERSA (Cora vom Friedrichsfeld / Leu) bei einem bis heute unbekannten Züchter, wurde die Bordeauxdoggenzucht wieder aufgenommen. BERSA wurde neben der Schwarzmaskenhündin ROLLA (Cora vom Friedrichsfeld / Königstein’s Combat ), die am 05.11.1919 geboren eine Zuchtsäule der Deutschen Bordeauxdoggen-Zucht. Am 30.08.1924 wurde der Allgemeine Deutsche Bordeauxdoggen-Club, Sitz Weida i.Thür. mit 29 Mitgliedern gegründet (Vorstand: Curt Reuter, Karl Wolf, Walter Glück, Willy Brandenburg, Paul Fleischer, Arthur Abraham)
… es ging wieder voran.

Im August 1925 wurde der Verein in das Deutsche Kartell für Hundewesen (DKH), so daß nun die Möglichkeit bestand als alleiniger für die Bordeauxdogge verantwortlicher Verein ein Zuchtbuch zu führen.

Im Jahre 1929 erschien das Bordeauxdoggen-Zuchtbuch Band I mit 125 Eintragungen, es sind auch 21 geschützte Zwingernamen aufgeführt: Die beiden ersten Hunde des Zuchtbuches sind die beiden Schwarzmaskenrüden Effroi und Primas von Wratislawa (Bersa / Nero).

Importe der damaligen Zeit

Nach der ordentlichen Gründung des Vereins versuchte man durch Importe die Zucht zu verbessern, da die Verwendung der beiden Rüden Effroi und Primas, die Bordeauxdoggen der damaligen Zeit zu klein und leicht werden ließ. Glücklicherweise hatte Curt Reuter (von der Osterburg) die finanziellen Möglichkeit dazu. Im Jahr 1925 importierte er den Rüden Boby des Renards (Lionne / Dick) *26.10.1920, doch leider konnte dieser nicht decken, erst R. Weiser (von der Schloßburg) gelang mit tierärztlicher Hilfe einen Wurf aus der Schwarzmaskenhündin Esta von der Osterburg (BDZ 12) zu von ihm erhalten.

Der zweite Wurf nach Boby gelang am 22.06.1927 mit der Importhündin des Arthur Abraham (vom Landhaus Markersdorf) Victoire du Pont de la Coupe (Yette de Valdor / Vautour). Dies ist der erste Wurf, die frei von Deutscher Blutführung ist! Nachdem sich die Zucht erholte, wechselten die Hauptpersonen: Der Vorsitzende Willi Brandenburg setzte die unsinnige Diskussion über die Maskenfarbe der Bordeauxdogge wieder in Gang: Man versuchte nun rein schwarze Verbindungen, die – ohne die Verwendung des importierten Blutes – wiederum zu klein und zu leicht wurden. Lediglich Arthur Abraham versuchte kurz vor seinem Ausschluß noch eine reine Rotmaskenverpaarung: Es wurden am 5.07.1929 7 Rotmaskenwelpen
(Crevette vom Landhaus Markersdorf / Sultan des Girondins) geboren. Diesem Wurf entstammte der spätere Weltsieger Dandy vom Landhaus Markersdorf.

In der Zeit von 1920 bis 1943 blühte die Bordeauxdoggen-Zucht in Deutschland auf:
Es fielen nachweislich 65 Würfe die 299 Zuchtbucheintragungen zugrundeliegen:

Jahr

1929

1930

1931

1932

1933

1934

1935

1936

1937

1938

1939

1943

Würfe

3

4

5

5

7

10

8

8

7

4

3

1

Eintragungen

20

19

26

19

38

54

30

25

34

18

10

6

Entwicklung 1920-2004 -> siehe Statistik
Diese Hunde haben allesamt die Bordeauxdoggenzucht in Deutschland geprägt
und haben den Pionieren unserer Rasse ein erhaltungswürdiges Andenken gegeben.


Die Bordeauxdogge in Deutschland ab 1947

Der 2. Weltkrieg zerstörte wieder diesen hoffnungsvollen Aufbau unserer Rasse
in Deutschland. Die Zucht mußte nun ab 1947 neu aufgebaut werden…

Die erneute Geburt der Bordeauxdogge in Deutschland.

Der Zwinger vom Üderhof (August Kottler) erhielt in der Nachkriegszucht
große Bedeutung: Aus der Verpaarung Allons von der Trenk (Anka von Wuppertal / Dandy vom Landhaus Markersdorf) mit Betty von Schlesien (Anka von der Mundsburg / Dandy vom Landhaus Markersdorf) fiel der B-Wurf vom Üderhof:

Die Hunde Bob und Bummel verblieben bei Herrn Kottler, die Hündin Bella wechselte
in den Zwinger vom Lindenhof (Platow) über. Aus der Inzestpaarung Bob und Bummel vom Üderhof fiel am 22. August 1947 der D-Wurf vom Üderhof – Dandy ging zu L. Kaminiarz nach Herne und Dina wechselte in den Zwinger von der Wolfsburg (A. Jansen, Bremen). Da Dina aus einer Inzestverpaarung stammte und sichtbaren Substanzverlust für die Rasse zeigte (51 cm hoch), sieht Jansen keine andere Möglichkeit für die Rasse als die Einkreuzung neuen Blutes, da eine erneute Inzestverpaarung mit dem Wurfbruder Dandy ausgeschlossen schien, ein verbliebener Rüde in der Nähe der belgischen Grenze, welcher F. Scheirmann noch bekannt war, erlag leider einem tödlichen Unfall). So wurde mit Genehmigung des VDH und der Mithilfe von Hans Glockner (Bernhardinder-Züchter und späterer Bordeauxdoggen-Spezialrichter) eine Verpaarung mit dem Bernhardiner-Rüden Marko vom Krongut durchgeführt, aus der ein 7-er Wurf hervorging. Die Hunde Brutus, Bessy und Bianka von der Wolfsburg gingen weiter in die Zucht ein. Durch dieses neu hinzgefügte Blut der ruhigen, liebenswerten Bernhardiner wurde auch das ruhige, gelassene Wesen der Bordeauxdogge noch weiter positiv beeinflußt.

Am 07.08.1951 fiel bei J. Rösch, Bremen der B-Wurf von Niedersachsen (4,3) aus Brutus
und Bianka von der Wolfsburg. Aus dieser Verpaarung fallen die spätere Weltsiegerin 1956 Bessy von Niedersachsen und Bella von Niedersachsen. Die Hündin Bessy von der Wolfsburg wechselte nach dem Krieg in den Zwinger von der Trenk (M. Schmitz), wo sie 5 oder 6 mal zur Zucht verwendet wurde – leider wurden hier vermutlich weitere Einkreuzungen vorgenommen – M. Schmitz war gleichzeitig Zuchtbuchführer des Vereins.

1951 gelingt es L. Heppendorf den Rüden Athos de Fénelon (Pach / Sara) zu importieren, der zweimal mit Bessy von der Wolfsburg gepaart wurde (F- und G-Wurf von der Trenk). Feodora (siehe Bild) und Gordon von Trenk wurden im Jahr 1955 in Düsseldorf Bundessieger (es waren 1 Rüde und 3 Hündinnen anwesend). Der Bundessieger 1957 Diogenes von Nordniedersachsen (Bes. M. Jensen) fiel aus der Verpaarung von Bessy von Niedersachsen und Athos de Fénelon. Rösch hatte einen konsequenteren und nicht so experimentierfreudigen Zuchtstil wie Schmitz und verwendete seine erfolgreichen Hunde Bessy und Diogenes konsequent in seiner Zucht. Der aus der Verbindung Bessy und Diogenes stammende Honneur von Niedersachsen wechselte in den Zwinger „de Fénelon“ zu M. van Cappel nach Frankreich (LOF 608). Der K-Wurf von Niedersachsen fällt im Jahr 1965 aus Ingo von Niedersachsen (Bundessieger 1959,1961,1963) und Lancée des Démons Noirs (einer Schwarzmaskenhündin aus Frankreich). Kronprinz von Niedersachsen ist wohl der erfolgreichste Sproß aus diesem Wurf.

(Quelle: Die Geschichte des Deutschen Kartells für Hundewesen, D.K.H. 1906-1926
Die Bordeauxdogge – Eine historische und aktuelle Betrachtung … –
Werner G. Preugschat

(Texte u. Bilder mit freundlicher Genehmigung von Silke Wegner)